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KIRCHE RIESDORF

INSTANDSETZUNGEN & INNENRAUM

2005-2017

Kurzcharakteristik

+       Schlichter romanisierender Backsteinsaal von 1896

+       Westturm mit steilen Spitzhelm

+       Saal mit Lisenengliederung

+       Eingezogene polygonale Apsis mit Strebepfeilern

+       Innen flachgedeckt mit Westempore


Historische Fakten

+       1668   begannen die Eintragungen in die Kirchenbücher von Riesdorf

+       1789   Fürst Karl-Georg Leberecht ließ eine Kirche erbauen. Es war ein einfaches

Rechteck mit Turm und nun hatten die Riesdorfer ihr eigenes Gotteshaus mit Glocke. Die Gemeinde hatte die Verpflichtung, dieselbe in Stand zu erhalten. Die Glocke hat einen Durchmesser von 60 cm und ist geschmückt mit dem anhaltinischen Wappen mit folgender Inschrift:


UNTER DER REGIERUNG DES DURCHLAUCHTIGSTEN FÜRSTEN U. HERREN

HERRN AUGUSTCHRISTION FRIEDRICH ZU ANHALT KÖTHEN

IST DIE GLOCKE DEM NEUEN BETHAUSE ZU RIESDORF

AUF KOSTEN DES AERAR: ECCLESIASTICI CAROLINI

ZUM GEBRAUCH GESCHENKT UN GEGOSSEN WORDEN

IM MONATH APRIL 1793

VON G. G. BECKER IN HALLE

+       1818   Da die Kirche ohne Fundament gebaut war, wie es damals üblich war, drohte der Turm einzustürzen.

+       1837   wurde die Kirche wieder hergestellt und erhielt einen neuen Putz. Sie hielt nicht lange Stand und wurde abgerissen.

+       1894   wurde eine neue Kirche gebaut. Sie erhebt sich im nördlichen Teil Riesdorfs aus roten Backstein.

Die evangelische Kirche Riesdorf wurde am 13. Oktober 1895 nach einer Bauzeit von 1 ½ Jahren eingeweiht. Der Neubau wurde von Baurat Bürkner entworfen und in den Jahren 1894 und 1895 ausgeführt. Der Bau kostete damals 30.000 Mark. Von der alten Kirche wurde nichts in die neue übernommen. Sie erhielt zwei neue Glocken aus Gussstahl, die an Stelle der früher einzigen getreten sind. Die Glocken haben 80 und 68 cm im Durchmesser: es steht auf ihnen nichts weiter als die Gussangabe: Geg. V. Bochumer-Verein. Bochum 1895. Die bisher gebrauchte Glocke von 1793 ist über den neuen als Anschlagglocke angebracht: sie hat 60 cm im Durchmesser und ist geschmückt mit dem anhaltinischen Wappen und der oben erwähnten Inschrift versehen. Die Glocken hängen noch heute im Turm.

1894 wurde ebenfalls die Orgel von Rührmann, Zörbig, eingebaut.


Projektbeschreibung

Seit Jahren versuchte die Kirchgemeinde die finanziellen Mittel für die Instandsetzung des Turmes aufzubringen, dessen baulicher Zustand sich seinerzeit zunehmend verschlechtert hatte.

Im November 2005 wurde der Zugang zur Kirche vom Bauordnungsamt des Landkreises Köthen gesperrt. Herabgestürzte Steine der Klinkerfassade stellten eine konkrete Gefahr für die Kirchbesucher dar. Um eine weitere Nutzung der Kirche zu ermöglichen wurden zur Gefahrenabwehr die losen Steine entfernt und neu vermörtelt. Dabei handelte es sich zunächst um eine Notreparatur. Weitere Instandsetzungsarbeiten am Mauerwerk und an der Turmeindeckung wurden unerlässlich.

Die äußere Verklinkerung des Mauerwerks der Turmecken hatte sich infolge von Witterungseinflüssen schalenartig von der Unterkonstruktion gelöst und bauchte bereits aus. Ohne Instandsetzungsmaßnahmen musste seinerzeit ebenfalls mit einer Gefahr durch herabstürzende Steine gerechnet werden. Die offenen Fugen im Verblendmauerwerk begünstigen den weiteren Zerstörungsprozess an der Fassade. Die Schieferdeckung wies Fehlstellen auf und zeigte im Legebild mit dem typischen Aufwerfen und Sperren der Schindeln, dass die Dachschalung durch Nagelfäule nur noch bedingt tragfähig war. Im Bereich der Turmspitze fehlten ringsum alle Schindeln, so dass Nässe ungehindert eindringen konnte.

Die Holzgewände der überdachten und vergiebelten Turmfenster waren marode und auf der Westseite nach innen weggebrochen. Teilweise waren die Fenster provisorisch durch Bretter verschlossen und die Schalluken mit ornamentiertem Oberlicht durch mangelnden Anstrich geschädigt.

Das Dach des Kirchenschiffes war an verschiedenen Stellen undicht und wurde nach einigen Sturmschäden repariert und der Schornsteinkopf neu aufgemauert. Der Verschleiß der Bitumenschindeldeckung des Apsisdaches (teilweise Fehlstellen) war unübersehbar und bedurfte ebenfalls einer Erneuerung.

Im Jahr 2012 entschloß sich die Gemeinde zur Erarbeitung eines umfassenden Konzeptes zur Revitalisierung und Erneuerung des Innenraumes.


Elemente / Maßnahmebeschreibung

Instandsetzung des Turmes:

+       Reparatur der Dachschalung und Erneuerung der Schieferdeckung

+       Instandsetzung des Verblendmauerwerkes mit Verfugung

+       Erneuerung des Blitzschutzes und der Turmbekrönung

+       Instandsetzung der Schalluken und der Fenster


Instandsetzung des Kirchendaches + Deckentragwerk:

+       Überprüfung aller Decken- und Dachbauteile sowie der Verbindungen auf Tragfähigkeit und Schädlingsbefall,

+       Überprüfung aller Verbindungen > Randbalken und Sparren geschädigt

+       Sanierung der ca. 85 m² großen Decke im Kirchenschiff

+       Einbauteile abdecken (Bänke, Empore, Orgel, Kanzel usw.)

+       Schutz von Einrichtungsgegenständen und Fenster

+       Rückbau und Entsorgung der Gipsplatten

+       Verleistung ausbauen (nicht wieder verwendbar)

+       Montage der Betonfaserplatte, D = 12,5 mm (KNAUF Perlite, Aquapanel) an Unterkonstruktion, gespachtelt und gefilzt

+       neue Leisten anbringen

+       schadhafte und fehlende Teile des Kirchendaches mit Holz gleichen Querschnitts ersetzen

+       vorhandene Biberschwanz- Kronendeckung aus mehreren verschiedenen Ziegelsorten (z. Teil Reparaturdeckung aus Beton- und Tonziegel) einschließlich Lattung aufnehmen

+       neue Dachdeckung: neue Dachlattung auf vorhandene Dachsparren / Biberschwanz- Tonziegel, Doppeldeckung, naturrot, Segmentschnitt / First- und Gratziegel / Grat, Ort und First in Mörtel verlegt / Anschluss an aufgehendes Mauerwerk mit Zink

+       Überprüfung und Reparatur des Trauf- und Ortmauerwerkes

+       Blitzschutz entsprechend den Erfordernissen mit Tiefenerder

+       Dachentwässerung über eine halbrunde, vorgehängte Zinkrinne mit Fallrohren

+       Aufarbeitung der Gaupen/ Erneuerung der Fenster entsprechend dem Bestand

+       Sicherung und Instandsetzung der Schallluken entsprechend dem Bestand

+       Innenraum   

+       Unter der Westempore wird eine Glasabtrennung eingebaut und eine Winterkirche eingerichtet.         


Die Kanzel kehrt wieder zurück an ihren ursprünglichen Ort und kann so ihrer Funktion wieder gerecht werden. Das Taufbecken erhält einen Sockel aus Sandstein und verbleibt an seinem Standort im nord – östlichen Bereich des Kirchenschiffes. Die Einrichtung eines WC’s im Eingangsbereich erweitert den Komfort und die Nutzungsmöglichkeiten.

+       Die überkommene Beigefarbigkeit weicht einer ausgewogenen Farbgestaltung. Die steinfarbig ausgemalten Wandflächen erhalten wieder einen farblich abgestuften Sockel. Alle Einbauten aus Holz präsentieren sich künftig in ihrer naturgegebenen holzsichtigen Struktur. Die Messingfarbigkeit der Kerzenleuchter steht hier stellvertretend für die farbe Gold mit seiner selbsterstrahlenden Leuchtkraft für das himmlische Reich. Der Innenraum zeigt sich insgesamt in einem ruhigen, wohlstrukturierten und angenehmen Ambiente welches ihn selbst und seine Fenster erlebbarer werden lässt. Die Decke im Farbton des Sockels bildet den diesseitigen harmonisch gestalteten Raumabschluss.


Ausmalung Apsis / Chorraum

+       Konzept: Die ruhige und ausgewogene Farbgestaltung des Kirchenschiffs wird im Chorraum fortgesetzt. Die steinfarbig ausgemalten Wandflächen erhalten entweder in Variante 1 einen Sockel im Ockerfarbton der Kirchendecke (bzw. des künftigen Sockels im Kirchenschiff) mit Abschluss eines Ornamentbandes (Detail aus Befunduntersuchung) oder reichen bis zum Boden (Var. 2 und 3).

+       Der Farbton des Sockels aus dem Kirchenschiff setzt sich im Bogen des Chorraumes fort und rahmt den Eingang. Die Kerzenleuchter erhalten ebenfalls eine Messingfarbe wie bereits im Kirchenschiff konzipiert.

+       Die Decke im klaren Blau als oberer Raumabschluss „öffnet“ gleichsam den Chor zum Himmel. Die unverdeckte Ornamentik des Steinfußbodens verbindet Kirchenschiff und Chor zu einem Ganzen und verleiht dem Raum zusätzlichen Glanz.

                                                                                             

Winterkirche

+       Abbruch/ Rückbau der vorhandenen Winterkirche

+       Ausbau der Kirchenbänke und Lagerung

+       Abbruch der vorh. Abtrennung

+       Ausbau des Gipskarton- Innenbekleidung

+       Abbruch des vorh. Fußbodenbaues (Holzpodest)

+       Aushub für neuen Aufbau


Ver- und Entsorgung                      

+         Anpassen der Elektroinstallation (Beleuchtung + Steckdosen)

+         Verlegung von Ver- und Entsorgungsleitungen im Fußboden          (Trinkwasser, Schmutzwasser)

+         Herstellen der Anschlüsse für Elektroheizung (Elektro-Konvektoren)


Fußbodenaufabau 

+         neuer Fußbodenaufbau- Winterkirche

       8 cm Unterbeton

       1 cm Abdichtung

       6 cm Dämmung zwischen Lagehölzer

       1cm Dielung, geölt (Nutzschicht)


Abtrennung zum Kirchenschiff

+      Raumabteilung durch Einbau einer Glastrennwand zwischen Kirchenschiff und Winterkirche großflächige Isolierverglasung aus VSG - Verglasung, in Stützenebene- Empore (reversibler Einbau)

+     Tür zum Kirchenschiff als 2-flg. Glastür (VSG)


Abtrennung zur Empore

+      Raumabteilung durch Einbau von Trockenbautrennwänden aus  feuchte-beständigen Bauplatten (z.B. FERMACELL)

+      Einbau einer Unterdecke mit Wärmedämmung unter Empore

+      Einbau von Vorsatzfenster (innen) vor Bleiverglasung


Wand- und Deckenanstrich

+     Repartur der Putzfläche (Glattputz)

+     Farbauswahl nach Anlegen einer Musterfläche


Bauabschnitt 2017 / 2018 Fertigstellung

+       Erschließung / Hausanschlüsse 

+       Sanitärraum

+       Kanzel

+       Taufe

+       Fertigstellung Innenraumausmalung