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FUHNEKIRCHE ZEHBITZ – QUELLE & URSPRUNG

2016-2017

Historische Fakten / Kurzcharakteristik

Die Ortschaft Zehbitz liegt in Sachsen-Anhalt zwischen Köthen und Bitterfeld – Wolfen.

Bis zur Neubildung der Einheitsgemeinde Südliches Anhalt im Jahr 2010 war Zehbitz eine eigenständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Südliches Anhalt mit den zugehörigen Ortsteilen Lennewitz, Wehlau und Zehmitz. Nördöstlich von Zehbitz ist das Quellgebiet der Fuhne.


In Zehbitz leben ca. 341 Einwohner (Feb. 2013). Die Ortschaft liegt 77 m über NN und hat eine Fläche von 10,98 km². Die Bevölkerungsdichte beträgt 31 Einwohner / km².


Zehbitz wurde erstmals im Jahr 1469 als Cewitz urkundlich erwähnt.


Zehbitz gehörte dem Amt Radegast an und war bis zum Jahr 1702 gemeinsam mit den anderen Orten des Amtes in Großweißandt eingepfarrt. Mit dem Bau der Radegaster Kirche 1702 war Zehbitz dann nach Radegast eingepfarrt.


Die Kirche in Zehbitz wurde im Jahr 1833 erbaut und am 13. Oktober 1833 feierlich geweiht und zum Gebrauch übergeben. Das Geld hierzu stammte aus Spenden der Bürger, Geldern vom Herzog, der auch das Holz für den Bau bereit stellte und aus Geldern, die durch Torfstechen erwirtschaftet wurden. Ebenfalls im Jahr 1833 wurde der Friedhof angelegt.

Der Patron der Kirche Zehbitz ist der damals regierende Herzog zu Anhalt Leopold IV. Friedrich. 


Die Kirche ist ein verputzter Backsteinsaal auf rechteckigem Grundriss mit südlicher Vorhalle (1908 ergänzt). Das Dach ist nach Osten abgewalmt, über dem Westgiebel befindet sich ein Glockenturm mit Pyramidenhelm in Fachwerkkonstruktion. Ursprünglich beherbergte der Turm eine Turmuhr mit Ziffernblättern an der Ost- und Südseite. Die Turmuhr wurde 1970 demontiert. Das Fachwerk des Türmchens war ebenfalls verputzt, sein Helm mit Schiefer abgedeckt. Durch die schlichte Formgebung, insbesondere der Fenster und des Gestühls, bietet der saalartige Innenraum einen gewissen Reiz, wozu die zur Hundertjahrfeier erneuerte Ausmalung wesentlich beiträgt. Der Fußboden ist mit Ziegelplatten belegt, die ebene Decke mit Brettern verschalt.


Die Seitenwände des Kirchenschiffs sind durch große Fenster mit flach-segmentbogigen Abschlüssen gegliedert. Der Fachwerkturm wurde 1997 komplett erneuert. Das Innere der Kirche ist schlicht mit Flachdecke und dreiseitig umlaufender Empore. Die Kanzel ist aus dem Jahr 1833, wurde jedoch bei der Sanierung 1957 aus der ursprünglich mittigen Position über dem Altar weiter südlich verschoben und in der Höhe eingekürzt. Der Schalldeckel wurde dabei nicht wieder errichtet.

Der Altar aus dem Jahr 1833 (Altartisch h=83 cm, br=1,06 m, t= 82 cm Holz, geflammte Birke auf vier Säulenfüßen. Medaillion mit Inschrift. Fraktur (Psalm 3) 1833) ist nicht mehr vorhanden (tischähnlich auf hölzerner Erhöhung mit Säulenfüßen und schwarz polierter Platte, an der Vorderseite ein Schild mit Bibelspruch (Psalm 3 Vers 9), das Schild befindet sich im Kirchenarchiv Radegast), er wurde 1970 durch einen neuen Altar aus Holz ersetzt.

Der Taufstein aus Sandstein wurde 1901 gestiftet und trägt folgende Umschrift: Gestiftet von G. Stock d. 26. Mai 1901

Die Zuberbier-Orgel stammt aus dem Jahr 1842. Sie erlitt bereits im Jahr 1843 erste Schäden wegen Durchregnens im Turm. 1844 wurde sie wieder instandgesetzt und 1866 wurde sie generalüberholt. Seitdem gab es keine Reparaturen mehr, es wurde lediglich 1935 eine Revision durchgeführt. Im Zuge der Turmsanierung 1997 wurde sie ausgebaut und nach kleinen notdürftigen Reparaturen im August 1998 wieder eingebaut. Der Blasebalg wurde erneuert und befindet sich nun rechts neben der Orgel.

Die Zehbitzer Kirche hatte zur Weihe 1833 nur eine Glocke. 1864 wurde in Laucha eine zweite Glocke in Auftrag gegeben. Sie hat einen Durchmesser von 76 cm, wiegt 270 kg und trägt die Inschrift: „Zur Andacht rufe, sie erwecke Dein Geläute, und unsres Lebens wechselndes Geschick, mit deinem feierlichen Klang begleite, von Erden ab zum Himmel richte unseren Blick“ „Gott segne und beschütze die Gemeinde Zehbitz“. Gegossen von Gottfried Ulrich zu Lauchaa./Unstrut, 1864“. Die erste Glocke wurde 1917 beschlagnahmt und kehrte nicht wieder zurück, so dass das zweite Joch auch heute noch leer ist.

1933 zur Hundertjahrfeier wurde das Innere der Kirche neu ausgemalt.


1953 wurde die Winterkirche eingebaut, die gleichzeitig als Sakristei dient. In diesem Zusammenhang wurde auch das mittige Fenster in der Westwand, welches die gleiche Größe hatte, wie die anderen Kirchenfenster, zugemauert.


1957 wurden die Gitterstühle, die sich an der Süd- und Nordwand befanden sowie die Sakristei neben der Kanzel entfernt.


1970 wurden die Kirchenbänke, bis auf ein kleines Teilstück linker Hand zum Eingang, entfernt und durch Stühle ersetzt.

Bisher durchgeführte Sanierungen


1997 Turmsanierung ( Holzkontruktion, Verschalung) Dachsanierung (Dachstuhl, Dacheindeckung – Biberschwanz rot, Segmentschnitt, Doppeldeckung) Entfernung der Öfen


2006 Einbau einer neuen Treppe aus Kiefernholz ohne Farbgebung


2007 Erneuerung Fensterbänke Winterkirche 

Einbau Fensterrahmen mit Notverglasung

Neubau der beiden Fenster zu Seiten des Altars (Nordwand, Südwand)

Neubau des zweiten Fensters der Südwand


2011 Erste Studien zur Innenrenovation der Kirche Zehbitz sowie Variation zur äußeren Gestaltung des Turmes


2016 Erarbeitung eines umfassenden Revitalisierungskonzeptes mit Variationen zur Innenraumgestaltung


Seit 2017 Herrichtung einer Entwässerung, Fassadeninstandsetzung sowie Neugestaltung des Innenraumes


Revitalisierung des Innenraumes

Mit diesem Konzept richtet sich die Gemeinde in den Räumen nicht nur liturgisch neu ein, sondern auch in einer sympathischen Vielfalt jenseits der liturgischen Feier.

Außenstehende sollen einen kulturvollen Ort mit mannigfaltigen Betätigungsmöglichkeiten vorfinden.

In einer behutsamen Symbiose steht das Zusammenspiel des traditionellen liturgischen Inventars und den künftigen Nutzungsansprüchen an die Raumnutzung. Die bewusste Entwicklung des historischen Grundrisses setzt sakrale und profane Raumqualitäten in ein angenehmes Verhältnis. Somit legt dieses Konzept den Grundstein dafür, dass der Kirchenraum auch jenseits seines funktionellen Nutzens seinen Sinn und seine Anziehungskraft bewahrt.

Die Kirche Zehbitz wird seit der „Rettungssanierung 1997 / 1998“ wieder ordentlich genutzt. Dies soll sich weiter positiv entwickeln und erfährt bereits mit beginnender Konzeptumsetzung eine weitere positive Entwicklung.

Liturgie, Denkmalpflege, Architektur und Kunst werden bei der Einrichtung dieser kleinen Dorfkirche bewusst in Beziehung gesetzt, harmonisiert und einmal mehr individuell und unverwechselbar eingesetzt.

Bewusst wurde hier z. B. die zwischen Wehlau und Zehbitz existierende seltene Naturraumbesonderheit der Fuhnequelle - von hier fließt die Fuhne in zwei Richtungen (Bifurkation) - dezent als Motiv für die Innenraumgestaltung aufgegriffen und behutsam entwickelt.


Entwurfsstudien zur Innenraumgestaltung

+       2011            Vorstudie (neuer Zugang von Westen; moderne Materialität)

+       2016            Vorentwurf horizontaler Ansatz (Bifurkation)

+       2016            Vorentwurf vertikelar Ansatz, Verbindung von Himmel und Erde; Mond und Sterne als mündlich überliefertes historisches Motiv  in Variationen, Kanzel rückt zurück in die zentrale Achse, wird den Raumproportionen angemessen erhöht und erhält wieder einen Schalldeckel; Taufe rückt in das Kreuz Hauptachse / Eingangsachse


Maßnahmen Innenraum 1. BA 2017 / 2018

+       Beräumung Sicherung und Wiedereinbau von beweglicher Ausstattung

+       Sicherung und Schutzmaßnahmen von Einbauteilen

+       Montage und Demontage Innengerüst

+       Begasung Kircheninnenraum

+       Reparatur/ Ergänzung  / Erneuerung Wandputz

+       Reparatur Fenster

+       Deckengestaltung Schiffdecke

+       Neugestaltung Chorwand

+       Anschaffung neuer Kirchenbestuhlung

+       Anstrich Wände

+       Anstrich Holzbauteile, Empore, Kanzel

+       Anstrich Winterkirche außen / innen

+       Anstrich Türen

+       Aufarbeitung Ziegelpflaster

+       Aufarbeitung Fußbodendielung (Empore)

+       Einbau der Turmuhr

+       Überprüfung der vorh. Elektroinstallation

+       Erneuerung Wandbeleuchtung Kirchenschiff


Farben

+       Wand  elfenbein-grau NCS-S-2005-Y-20R

+       Chor und Decke blau NCS-S-5030-R90B

+       Empore grau NCS-S-2502-Y

+       Emporenfüllung hellgrau NCS-S-3502-Y