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DAS MALZFABRIK KÖTHEN PROJEKT

2011

Das gesamte Areal wurde von Oktober 2011 bis Januar 2012 einer ersten intensiven Bestandsaufnahme unterzogen. Ein Team aus Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten arbeiteten gemeinsam mit Architekturstudenten der Hochschule Anhalt, die im Rahmen eines Berufspraktikums involviert wurden, an der umfangreichen und aufwendigen Erfassung der Bestandsituation. Die  Entwicklung der konzeptionellen Ideenansätze dieser Studie entstanden von Januar bis März 2012.

Die Arbeit versteht sich als impulsgebende Bestandsaufnahme und mögliches Startsignal für eine neue Lebensetappe dieses Stadtquartiers und eines weiteren Meilensteins im Zuge der angestrebten nachhaltigen Stadtentwicklung Köthen’s, an diesem prägnanten Ort.

Die Studie nimmt bewusst Bezug auf aktuelle Problemlagen der Demographie und Stadtentwicklung und möchte diesbezügliche individuelle Lösungsansätze für Köthen aufzeigen - für die weitere Entwicklung eine lebens- und liebenswerte Stadt im Herzen Anhalts und für ein gute Aufstellung  im Wettbewerb der Städte und Regionen.

AUSGANGSSITUATION

IBA 2010 wie weiter? -  heißt es nicht erst heute (auch) in Köthen. Die Schrumpfung der Städte der letzten Jahre – in Köthen nicht so gewaltig, aber dennoch spürbar - ist ein erster Schritt in die Post – Wachstums – Phase. Dem demographischen Wandel entgegen zu gehen ist allemal schlauer, als ihm hinterherzulaufen. Die Stadt Köthen sollte dafür die Potentiale ihrer Stadt „in der Stadt“ – z. B. innerstädtische „Reserveflächen“ -  für die Stadtentwicklung nutzen und das Wohnen – Leben – Arbeiten bewusst in die Stadt hinein planen.

Das MALZFABRIK KÖTHEN PROJEKT kann, schon durch seine Dimension, ein chancenreiches Pilotprojekt und ein Labor und Versuchsfeld zeitgemäßer Stadtentwicklung zugleich sein.

Innovative Stadtplanung – experimentelle Stadtplanung ist die Entwicklungskraft der kommenden Jahre, ganz im Sinne und in Fortführung der innovativen Ansätze, Gedanken und Thesen aus der Strategie „Homöophatie als Entwicklungskraft“ der Stadt Köthen.

Der in dieser ersten Studie skizzierten Ansatz und Möglichkeiten in der weiteren Entwicklung des Bereichs der historischen Malzfabrik Köthens, soll eine Initialzündung bewirken, Interesse und Aufmerksamkeit wecken, Mitstreiter und potentielle Akteure aus vielen gesellschaftlichen Bereichen (Politik, Wirtschaft, Hochschulen, Kirchen, Verbände, Vereine, Wohnungswirtschaft, Gesundheitswesen, Industrie, Landwirte, etc.) inspirieren und sie zur Mitarbeit an der Entwicklung unserer Stadt Köthen an diesem Standort zu gewinnen und sich aktiv in diesen Prozess einzubringen.


BESTAND

Das Gelände der ehemaligen Malzfabrik Köthen liegt im Süden des sogenannten „Bahnhofsviertels“, welches den Siedlungsraum östlich der Köthener Altstadt umfasst.  Zwei zentrale Achsen von der Altstadt zum Bahnhof bilden das Rückgrat dieses Stadtteiles. Die eine Achse, in fast gradlinieger Fortführung der Fußgängerzone Schalaunische Straße, ist die Dr. Krause Straße, an deren Anfangs- bzw. Endpunkt mit der Hausnummer 35 das hier betrachtete Planungsgebiet der historischen Malzfabrik Köthen liegt.  Das Gelände, eingebettet in gründerzeitlich geprägte Altbauquartiere, befindet sich in der Gemarkung Köthen, Flur 10, Flurstück 59/3 und hat eine Größe von 28.000,00 qm.

Das Stadtentwicklungskonzept der Stadt Köthen attestiert in seiner Fortschreibung und teilräumliche Vertiefung vom 06. Dezember 2010 für das Bahnhofsviertel, „im Vergleich zur Gesamtstadt, einen relativ jungen und alterstrukturell eher ausgeglichenen Stadtteil.“ Weiter heisst es dort: „Der Anteil der Kinder , Jugendlichen und Personen im jüngeren und mittleren Erwerbsalter ist im Vergleich zur Gesamtstadt höher. Knapp ein Drittel der Einwohner ist jünger als 25 Jahre. Personen im Alter bis 44 Jahre machen zwei Drittel der Einwohner im Stadtteil aus. Der Anteil von älteren Erwerbstätigen und Senioren liegt deutlich unter dem gesamtstädtischen Durchschnitt.“ „Zum 31.12.2009 wurden im Bahnhofsviertel 1383 Einwohner gezählt.“

Die Bebauung des Geländes stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.  In einem Artikel vom 29.06.1996 schreibt die Mitteldeutsche Zeitung in einem Artikel: „Das Jahr 1865 hatte für die wirtschaftliche Entwicklung Köthens besondere Bedeutung. Neben der Malzfabrik entstanden in diesem Jahr auch die Firma Franz Kurz, nachmalig Kesselbau, und die Firma Wagner & Co. Papiermaschinenbau. Die Mälzerei, kam nach Überlieferungen gut in Schwung. Bis 1897 erfolgten mehrere großflächige Erweiterungen. 1879 wurde die Malzfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Begründer Wreede hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Köthen verlassen und wohnte dann bis zu seinem Lebensende in Wiesbaden. Köthen wurde einst vor allem wegen der günstigen landwirtschaftlichen Verhältnisse zum Standort für die Mälzerei ausgesucht. In der Umgebung wuchs die sogenannte Saalegerste, die bei den Brauereien einen guten Namen hatte. Am Ende der 20 er Jahre war die Malzfabrik Köthen dann die größte Tennenmälzerei in Deutschland, zehn Jahre später immerhin noch die größte in Mitteldeutschland.“

Die „Wredesche Malzfabrik“ ist als Fabrik und Baudenkmal im Denkmalverzeichnis der Stadt Köthen (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen – Anhalt) verzeichnet.

Das Denkmal bzw. der Bereich wird, „durch seine Großflächigkeit und bedeutende Höhenwirkung „ als „stadtbildprägender Industriekomplex aus fünf- bis siebengeschossigen, flachgedeckten Ziegelbauten mit beherrschendem Schornstein“ charakterisiert. „Das rote Mauerwerk gegliedert mit Segmentbogenfenstern, Lisenen, Rundbogenfriesen und Eckzinnen“ prägt  „eine der größten Fabriken ihrer Art in Deutschland“, die „in der Fortführung der Tradition englischer Industriearchitektur und der Verwendung romantisch – burghafter Stilelemente ein typisches Zeugnis hochgründerzeitlicher Industriearchitektur“ darstellt, und bedeutsam ist „als wirtschaftsgeschichtliches Zeugnis für die frühe, auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte konzentrierte Industriealisierungsphase in Köthen und Umland“. Die  straßenseitigen Bauten wurden etwa um 1897 errichtet, die rückwärtigen Bauten um 1844.

Im  Ergebnis der viermonatigen Bestandsaufnahme wurden die Gebäude des Areals dokumentiert und der Bauzustand erfasst. Die wesentlichen Gebäude sind in Auszügen in Grundrissen, Ansichten und Schnitten auf den folgenden Seiten abgebildet. Die beigestellten Flächenangaben sollen die Dimensionen zusätzlich verdeutlichen.

CHANCENSKIZZE

Die MALZFABRIK KÖTHEN wird ein Ort zum Treffen – um Geschäfte zu machen – Kontakte zu knüpfen – Ideen auszutauschen.

Die Malzfabrik Köthen entwickelt sich zu  einem urbanes Stadtquartier, einem  attraktiven Lebens- und Wohnraum – und klimagerechten Stadtteil mit innovativen Energiekonzepten und Erholungsangeboten.


KONZEPT BEREICH 1:

FORUM FERMENTUM – Working Habitat der Kreativ- und          Kulturwirtschaft

NUTZUNGSSCHLAGLICHTER:

Ideenfabriken, Künstler, Techniker, Markthalle, Bio-Oase : Ökologische Frischeprodukte aus der Region > Themenmärkte > Entwicklung mit überregionaler Ausstrahlung (Schiene + B6n etc… ); Naturbaustoffe, Gastronomie – Kneipen, Erlebnismälzerei > Der Weg des Malzes, Veranstaltungsräume für Feiern, Fasching


KONZEPT BEREICH 2:

GREENPARK  AREA – Living in Green Habitat – Erholen und Wohnen dem Leben angepasst

NUTZUNGSSCHLAGLICHTER:

Universelle Wohnkonzepte für alle Menschen – Studenten – Single – Familien – Ehepaare – alte Menschen – Menschen mit Handicap - Betreutes Wohnen mit ambulanter Pflege; Physio – Fitness – Rehasport; Cafe’s – Bäcker – Tante Emma Laden > mit Lieferservice;  Wohnen wie im Urlaub; Wellness- und Saunaworld mit Hotelbetrieb; Indoorfreizeit- und Sportaktivitäten, Tennis + Klettern + Spielhaus etc.; Kleingärten ; Private Schule; Kindereinrichtungen; Arzt - Nahversorgung

        


NACHWORT

Wir sind gespannt auf Ihre Resonanz zu unserer Entwicklungsskizze und auf die weiterführenden Schritte, Entwicklungen und Initiativen – die wir hoffentlich damit auslösen oder in Gang setzen können.

Wir hoffen wir konnten Sie nicht nur informieren und interessieren, sondern auch inspirieren und Impulse setzen, und sie ermuntern sich einzubringen - mit eigenen Ideen, Initiativen, Hinweisen und Ratschlägen oder Investitionen.

Im Namen aller bislang Beteiligten dürfen wir Sie dazu herzlich einladen. Willkommen bei der aktiven Teilnahme und Gestaltung des „Erlebnis Stadt“.