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MUT ZUR LÜCKE  

WETTBEWERB TEUCHERN

2015

Leitgedanke     

Universales nachbarschaftliches Wohnen in der Stadt   


Die Wettbewerbsarbeit setzt auf eine zeitgemäße Architekturhaltung, die sich selbstbewusst akzentuierend zeigt, sich aber dennoch in die historische Stadt einfügt.


Mit eigenem frischen Charme vermittelt diese Architektursprache eine neue Zeit, ohne gegen die geschichtsträchtige Umgebung anzukämpfen. 
Der klar gegliederte Baukörper mit schlichter Eleganz folgt den historischen Gegebenheiten, Kleinteiligkeiten, Baufluchten und nimmt die Parzellenstruktur bewusst auf. Der Entwurf dient dem Ziel, nicht nur eine stadträumliche, sondern auch eine stadtfunktionelle Lücke zu schließen und dies mit einer Grundhaltung, die Überkommenes behutsam repariert und reorganisiert  und sich mit Neuem arrangiert. Das Wohnen soll an diesem Ort universell sein, d. h. Angebote für alle Altersgruppen, Vitalitätsgrade und Lebensabschnitte bereithalten. Es wird bewusst in die Stadt geplant, um diese Stück für Stück vom Kern aus zu reaktivieren und sie wieder interessanter und lebendiger werden zu lassen. Neue Qualitäten in der Gestaltung sowie in der Verknüpfung privater und öffentlicher Räume, ohne Verzicht auf Privatheit sind in dem Entwurf umgesetzt worden. Zeitgemäßes Wohnen mit und durch das Erlebnis Stadt im Sinne – innerstädtischen Charme und Potenzen nutzend verknüpft mit dem Anspruch, genau auch dort die Elemente spüren zu können. Durchblicke, Durchlüftung und Sonne sind die Vorzüge dieses städtebaulich – architektonischen Ansatzes. So achtet der Entwurf auf eine bewusste Balance zwischen städtischer Dichte und Freiraumqualität. Als Erweiterung mit Verbindung an ein historisches Gebäude wird ein Stadthaus vorgeschlagen, welches sowohl vom funktionellen als auch vom gestalterischen Anspruch solide und zukunftsweisend wirkt, und auch in räumlich – konstruktiver Hinsicht auf Flexibilität und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. 


Städtebauliche Einordnung
Der in Erweiterung des bestehenden historischen Gebäudeteiles Markt 3 vorgeschlagene Baukörper wird unter Bezugnahme auf die Parzellenstruktur traufständig längs zur Oberstraße vorgeschlagen. Grundfläche, Kubatur und Dachform entsprechen dem städtebaulichen Kontext des Gesamtgebietes. Die bewusst angeordnete Lage der Funktionen im Gebäude ermöglicht eine Nutzungsvielfalt auf engstem Raum in einer Verknüpfung von Innen und Außen für Bewohner und Nutzer, die u. U. impulsgebend für die weitere sukzessive Beseitigung von Leerstand in Teuchern wirken kann oder Ansätze für Revitalisierungsideen benachbarter Bereich inne hat.
Gestaltungsmaßgaben und 
ggf. Abweichungen
Die Raumkante entlang der Oberstraße wurde mit dem Neubau und einer individuellen Einfriedung im südlich gelegenen Gartenbereich geschlossen.
Ein dezenter Rücksprung der Fassade im Erdgeschoß schafft eine angenehme Distanz zum nahen Gehweg und durch den Zugang zum wohnungsnahen Freiraum sowie die blickdurchlässige bzw. transluzente Gestaltung der Gartenmauer, eine interessante Kombination aus geschlossener und „halboffener“ Bauweise. Bewohner und Nutzer können sogar auf einem „Rundweg“ vom Markt über den Gartenhof in die Oberstraße gelangen und umgekehrt.

Der Eingang zum Erdgeschoss des Gebäudes wird an die historische Stelle versetzt und eine warme Farbgebung soll im Kontext des Marktplatzes vermitteln und dem Gebäude wieder seine angemessene Eleganz im Marktensemble verleihen und seinen Denkmalwert sichtbar machen. 
Die Gestaltung des neuen Baukörpers in Ergänzung des historischen Gebäudes entlang der Oberstraße wurde der Kubatur des Bestandsgebäudes angenähert und die Fassadengestaltung bewusst modern und nicht historisierend gewählt. 

Die gewählten typischen stehenden Fensterformate sind unverzichtbares Gestaltungsmerkmal  im Kontext zwischen Alt und Neu sowie im gesamten Stadtkern.


Funktionen, Nutzer, Demographie, Familiengrößen
Universales Wohnen mit modernem Flair, in der (historischen) Stadt, kleine Freiräume, einen Stellplatz, einen kleinen Keller pro Wohnung und Stellflächen mit Ladestaionen für E – Mobile pro Etage ergänzen die Einzigartigkeit dieses Standortes und lassen ihn einmal mehr zu einer attraktiven Wohnadresse werden. Reizvolle Ausblicke und gute Besonnung flankieren die Funktionalität des Grundrissangebotes. Wichtiges Ziel war das Erreichen einer  Verknüpfung von öffentlichem, halböffentlichem und privatem Freiraum, um bewusst soziale Kontaktmöglichkeiten zu fördern und ein verträglichen Maß an sozialer Kontrolle und Nachbarschaft und dennoch ein Höchstmaß an Intimität, Ruhe und Erholung sicherzustellen. Fast alle Wohnungen besitzen deshalb ein attraktives Maß an privatem Freiraum (Balkone, Dachterrassen) oder haben, wenn dies nicht möglich war, Zugang zum Gartenbereich über der Parkpalette. Sowohl das historische Gebäude wie auch der Neubau sind in allen Geschossen komplett barrierefrei durchgeplant worden. Die Grundrisse entsprechen den Anforderungen an die einschlägigen Vorschriften für behindertenfreundliches Wohnen – welches im Kern die Idee des universellen Wohnens mit ausmacht. Insgesamt beinhaltet der Entwurf 13 Wohneinheiten in Größen von 29 – 77 qm Wohnfläche, gegliedert in 9 Einheiten mit 2 Räumen und 4 Einheiten mit einem kombinierten Wohn- und Schlafraum, die einzelnen Personen, wie auch Paaren solide Wohnungszuschnitte offeriert. Die Flexibilität in den Grundrissangeboten des Neubaus ist z. B. durch die Austauschbarkeit von 
Grundrissvarianten, und Erweiterungsmöglichkeiten gegeben, wie auch in der Möglichkeit der Gestaltung einer größeren Wohnung für eine Familie mit Kindern im Bereich des Altbaus. Im Erdgeschoß des historischen Gebäudes mit Blick zum Markt gelegen ist das „Bewohnercafe“, welches neben dem südlich gelegenen Freiraum Möglichkeiten der Begegnung und für gelebte Nachbarschaft bietet, für private Feiern oder für thematische Veranstaltungen einen idealen Rahmen bildet und so eine sympathische Ergänzung des Wohnens mit Alleinstellungcharakter und ein Verbindungsglied zum Marktplatz darstellt. Ein weiterer Mehrzweckraum im Bereich des Neubaus Oberstraße wurde für unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten konzipiert: Servicepoint Sozialdienst, Fußpflege / Friseur / Tante Emma Laden – Spätverkauf, Aktivraum für Bewegungstherapie etc. Ein möglicher direkter Zugang von der Oberstraße  ermöglicht auch Nutzungen, die nicht nur den Bewohnern zu Gute kommen, sondern eine Ergänzung des Zentrumsangebotes darstellen kann. 


Konstruktion und Material

Die Bauweise des Entwurfs selbst ist auf hohe Nachhaltigkeit und Energieeffizienz ausgerichtet. 
Im Altbau erfolgt eine klassische wie behutsame Instandsetzung mit gängigen Baustoffen, Technologien und Materialien. Die Parkpalette basiert auf einer Stahlbetonskelettkonstruktion mit begrüntem Dachaufbau (Mietergarten). 
Der Neubau wird im klassischen Mauerwerksbau empfohlen, versehen mit einer vernünftigen Wärmedämmung und einer Bekleidung aus Faserzementplatten.